Neujahrsempfang der Deutsch-Polnischen Gesellschaft am 18. Januar 2013 mit einem Dia-Vortrag über eine Reise durch Südostpolen von Prof. H. Wall

Für den diesjährigen Neujahrsempfang in den Räumen der Galerie Pokusa gelang es, den Architekten Prof. H. Wall aus Mainz-Weisenau zu gewinnen. Er war mit seiner Frau privat „kreuz und quer“ durch Regionen Polens gefahren, die abseits des üblichen Tourismus lagen, um mit den Augen eines Architekten und erfahrenen Kulturreisenden Land und Leute kennen zu lernen. Mit zahlreichen Dias nahm er die etwa 35 Zuhörer auf seine Reise mit, wobei er zu fast allen Bildern kurze, aber sehr informative Erläuterungen über Geschichte und Architektur sowie Sitten und Gebräuche gab. Besonders beeindruckte, mit wie viel Liebe gerade in den touristisch kaum erschlossenen ostpolnischen Gebieten historische Gebäude gepflegt wurden und wieder im alten Glanz erstrahlen – Zeichen eines anderen Geschichtsverständnisses als in vielen Regionen Deutschland und Ausdruck einer besonderen Identitätsfindung. Mit lebhaftem Beifall wurde dem Referenten gedankt; sein Angebot zu einer Anschlussdiskussion fiel dann aber einer weiteren Attraktion des Neujahrsempfangs zum Opfer: Frau Ania Horyd, Mutter des 1. Vorsitzenden, hatte nach polnischem Originalrezept Piroggen und Mandarinen-Käsekuchen gebacken, deren Duft schon durch die Räume zog. Der Referent und seine Frau blieben aber noch lange bei uns, wobei sich noch viele Gespräche mit ihm ergaben.

Den Berichterstatter erreichten nachträglich zwei Briefe, aus denen abschließend zitiert werden soll: „Die fachkundige Art, auf welche Professor Wall uns die Schätze dieser Region vorgestellt hat, mußte jeden begeistern. Als ich noch in Polen lebte, führte ich deutsche Gruppen auf den Spuren der Holzarchitektur in Kleinpolen und staunte jedes Mal, wie gut sie vorbereitet kamen“, ferner: „Das war ein wirklich schöner Neujahrsempfang. Er hat großen Spaß gemacht und es ist, glaube ich, auch für den Zusammenhalt der dpg ganz wichtig, sich ab und an einfach mal so zu treffen und der Diavortrag war sehr interessant“.

H.-V. Ulmer

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„Die Wunde des Erinnerns lässt sich niemals schließen“

Am 24. April las der bekannte polnische Reporter Włodzimierz Nowak am Antiquariat am Ballplatz. Eingeladen hatten Antiquar Thomas Schröder und die DPG Mainz-Wiesbaden.

Gut lachen: Tomasz Horyd vor dem Podium

Rund 40 Gäste lauschten in gemütlicher Atmosphäre zwischen den zahllosen Buchdeckeln Nowaks Stimme. Auf Deutsch und auf Polnisch ging es munter hin und her, der profilierte Reporter Nowak trug Reportagen aus seinen letzten beiden Bänden vor: „Serce narodu, koło przystanku“ und „Obwód głowy“. Letzterer Titel, der für den NIKE-Preis nominiert war, liegt auch in deutscher Sprache vor („Die Nacht von Wildenhagen“,Eichborn) – und ist unbedingt lesenswert. Wie Übersetzerin Joanna Manc, die ebenfalls auf dem Podium saß, erklärte, ist „Das Herz der Nation neben der Bushaltestelle“ bislang aber ein Übersetzungsprojekt geblieben. Durch die Insolvenz des Eichborn Verlags und dessen Übernahme unter das Dach des Bastei Lübbe im letzten Jahr, habe der Titel nicht mehr ins Profil gepasst. Für den übersetzten Reportageband habe sich bislang kein anderer Lizenznehmer gefunden.

Signierstunde

Übersetzerin Joanna Manc erklärte auf Nachfrage gerne, dass sie über die korrekte Setzung eines Kommas schon einmal mit Kollegen eine Stunde lang diskutieren könne – das Handwerk des Übersetzens, kein einfaches!

An einem Büchertisch hielt Antiquar Thomas Schröder in seinem gut sortierten Antiquariat Nowaks Reportagen und viele weitere Titel zur deutsch-polnischen Geschichte parat.

Guter Gastgeber: Thomas Schröder, Antiquariat am Ballplatz

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Leipziger Buchmesse mit Fokus Polen, Ukraine, Belarus

Zu Gast auf der Leipziger Buchmesse, die vom 15. bis 18. März stattfand, waren auch herausragende polnische SchriftstellerInnen: Andrzej Stasiuk und Sylwia Chutnik stellten beim „Fokus Polen“ ihre neuesten Romane vor: „Hinter der Blechwand“ (Suhrkamp) ist ein wilder Roadtrip durch Südosteuropa und behandelt den Einbruch der Globalisierung und der Chinawaren in die ländlichen Grenzgebiete. Chutnik, die einen Verein für die Rechte der Frauen gegründet hat, stellt in ihrem furiosen Romandebüt „Weibskram“ die Schicksale dreier Frauen und des „Weibsmannes“ Marian vor – allesamt Bewohner des Warschauer Stadtteils Ochota und alle Outsider, die aufgrund gesellschaftlicher Zwänge und eigener Veranlagung nicht glücklich sein können.

In einer weiteren Veranstlatung im „Café Europa“ diskutierten Autoren der drei Schwerpunktländer über das Thema Fußball und die bevorstehende EM: Hier waren Andreij Chadanowitsch (Belarus), Natalka Sniadanko und Serhji Zhadan (Ukraine) und Piotr Siemion zu Gast. „Der Fußball ist in Polen ein Spielball der Oligarchen“, verkündete der Breslauer: „Man muss aber dazusagen, dass der Fußball in den letzten 20 Jahren seine Funktion vollständig geändert hat. In den sozialistischen Zeiten war er ein Ersatz für alles: Für das Recht auf Selbstbestimmung, Ersatzreligion, Ersatzprotest, heute ist er eher wie eine auswendig gekannte Oper.“  Der Länderfokus unter dem Titel tranzyt wird auch 2013 und 2014 die Literatur Polens, der Ukraine und der Belarus zum Messeschwerpunkt machen. Mehr Informationen gibt es hier.

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Gauck besuchte Polen

Die erste Auslandsreise führte den neuen Bundespräsident Joachim Gauck im März nach Polen. Zwei Tage waren für den Antrittsbesuch im Nachbarland angesetzt. Die Reise, mit der auch die besondere Bedeutung des deutsch-polnischen Beziehungen Respekt gezollt wurde,  sei ihm „eine Herzenssache“, sagte Gauck bei der Begrüßung durch seinen polnischen Amtskollegen Bronislaw Komorowski im Belweder-Palast. Begleitet wurde Gauck von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt.

Komorowski überreichte Gauck ein Wahlplakat der Solidarnosc vom Juni 1989. Die Staatsmänner verabredeten Fördermöglichkeiten, etwa für die Begegnungsstätte Kreisau oder das Deutsch-Polnische Jugendwerk. Auch ein Treffen mit dem Premier Donald Tusk stand auf dem Programm. Mehr Informationen zur Polenreise Gaucks finden sich hier.

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Flucht, Vertreibung und Neuanfang

Benjamin Conrad

Referent Benjamin Conrad (Universität Mainz)

Nachwuchswissenschaftler und Osteuropaexperte Benjamin Conrad (Universität Mainz) referierte am 14. November in Kooperation von DPG und Studium generale über das Thema: „Zwischen Stalin, Staatsräson und Nostalgie. Die polnischen Heimatvertriebenen und Umsiedler.“ Die Veranstaltung im ehemaligen Fakultätssaal im Obergeschoss des Philosophicums der Johannes Gutenberg-Universität traf einen Nerv: Da die Sitzplätze nicht ausreichten, standen Zuhörer in „der zweiten Reihe“ oder machten es sich auf dem Fußboden so bequem wie möglich. Anschaulich und gewürzt mit neuen Erkenntnissen zur polnischen und europäischen Geschichte ging Conrad der Frage nach, vor welchen politischen Hintergründen die Umsiedlungen, Ausweisungen und Vertreibungen im 20. Jahrhundert im polnischen Staat stattfanden. Unterstützt durch eine Powerpointpräsentation führte Conrad durch ein Jahrhundert der Umbrüche. Sechs Kapitel vertieften unterschiedliche Schwerpunkte wie etwa „Polens Ostgrenze ab 1945“, „Vertreibung der Polen 1939 bis 1945“, „Entstehungsgeschichte der polnischen Westgrenze“. Conrad scheute sich nicht davor, auch „heiße Eisen“ anzupacken und etwa Unterschiede zwischen den deutschen und den polnischen Heimatvertriebenen zu analysieren oder auf die Themen Reiseverbote, Deportationen und Unterdrückungsmaßnahmen einzugehen. Hier zeigte sich, dass die internationale Osteuropaforschung im vereinten Europa dank Reisefreiheit und multilateraler Abkommen in den letzten Jahren immense Fortschritte gemacht hat. Beeindruckend war ebenfalls zu sehen,  welch immense Bedeutung dem Generationenwechsel zukommt: Statt auf direkte,  subjektive Erfahrung von Flucht, Vertreibung und politischen Spannungen zurückzugreifen, ist Conrads Generation vielmehr in einem vereinten Europa aufgewachsen und somit oft freier von alten Feinbildern und Stereotypen: Es ist nicht übertrieben, ihn als einen Vertreter einer neuen Generation von Europäern zu begreifen, die um ein vielfaches leichter einen unverstellten Blick auf die europäische Geschichte einnehmen können.

Viele Zuhörer: Der ehemalige Fakultätssaal bot kaum ausreichend Platz für die vielen interessierten Gäste

Durch die Westverschiebung des polnischen Staates, so referierte Conrad, wurden nach 1945 rund 70 Prozent der nun in UdSSR-Gebiet lebenden Polen gezwungen, ihre Heimat aufzugeben. Zumeist wurden sie in den ehemaligen deutschen Gebieten angesiedelt. „Die Machthaber der Volksrepublik sprachen von einer ‚Reptatriierung‘, vielmehr war es aber so, dass die Menschen in ein neues, fremdes Land  zwangsangesiedelt wurden“, erläuterte Conrad. Rund 1,5 Millionen Polen in den ehemaligen Ostgebieten verloren so bis in die 50er Jahre ihre Heimat.

Mit dem Thema Flucht und Vertreibung hatte die DPG offenbar einen Nerv getroffen

Währenddessen wurden eine halbe Millionen Litauer, Ukrainer und Weißrussen in die UdSSR umgesiedelt. Conrad kam auch auf das Schicksal der in Polen verbliebenen Reichsbürger zu sprechen und überraschte mit den nunmehr bekannten Ergebnissen der verfälschten Volksabstimmung von 1946. Auf diese hin wurde das einstige deutsche Territorium dem polnischen Staatsgebiet angegliedert. Statt der angeblichen 91 Prozent hatten damals lediglich 67 Prozent der Bevölkerung für die Annektierung des Gebietes gestimmt. Conrad zeigte, dass vor allem die kaschubische sowie oberschlesische Bevölkerung und die Bewohner der neuen Ostgebiete größtenteils gegen diese Maßnahme stimmte, während die Bewohner der großen Städte sowie der großpolnischen Gebiete einen Anschluss des Gebietes zum polnischen Staat befürworteten.

Die Resonanz auf den Vortrag war groß: Es entstand eine lebhafte Diskussion

Auf großes Interesse stießen auch Conrads Ausführungen über die polnische Minderheit in der heutigen Ukraine sowie Litauen, wo Minderheitsrechte auch heute noch wesentlich restriktiver gehandhabt werden als in der polnischen Republik. Mindestens 700.000 Polen leben heute in den einstigen Ostgebieten.

Vielen Zuhörern brannte es auf der Seele, eigene Erfahrungen zum Thema beizusteuern

Im Anschluss an den von den Zuhörern mehrfach gelobten Vortrag gab es den großen Wunsch nach einer ausgedehnten Diskussion. Zahlreiche Zuhörer ergriffen das Wort und steuerten, durchaus kontrovers, eigene Erfahrungen und Beobachtungen bei, etwa zum Schicksal der in Polen verbliebenen Reichsbürger, zur polnischen Minderheit in Lemberg oder heutigen Städtepartnerschaften oder Vertreibenenverbänden. Auch für Rückfragen gab es ausreichend Gelegenheit. Viele Teilnehmer folgten der Einladung von Iwona Derecka-Weber (DPG Mainz-Wiesbaden und langjährige Lehrkraft am Mainzer Polonicum), die die Veranstaltung organisiert hatte, die Diskussion im „Baron“ fortzusetzen. Besonders erfreulich war auch, dass die DPG durch den Vortrag zwei neue Mitglieder gewinnen konnte.

Osteuropaforscher Benjamin Conrad hat am Mainzer Polonicum erste Sprachkenntnisse gesammelt

Unermüdliche Einsatzbereitschaft für die polnisch-deutsche Sache: Organisatorin Iwona Derecka-Weber

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Gedankenschmuggelnder Grenzvagabund

Großes Interesse war beim Vortrag des elsässischen Autors, Filmemachers und Kabarettisten Martin Graff am 2. November zu verzeichnen.

Kein freier Platz: Das Institut Francais freute sich über einen großen Andrang

Kein freier Platz: Das Institut Francais freute sich über einen großen Andrang

Graff hatte nicht nur seinen jüngsten Roman „Grenzvagabund“  im Gepäck, sondern brachte auch zahlreiche Anekdoten dar und ging mit viel Humor auf die  jüngsten politische Ereignisse in Europa ein. Die Lesung aus seinem Roman (Verlag André Thiele, Mainz 2011 und als „Le vagabond des frontières im gleichen Jahr in der Edition Place Stanislas in Nancy erschienen) bildete freilich nur einen Teil des unterhaltsamen Programms: der Bogen wurde gespannt von Anekdoten über Graffs Großmutter über eine Mentalitätskunde der Deutschen und Franzosen anhand ihrer Schlafgewohnheiten (Französisches Ehebett vs. Deutsch-föderalistische Doppelmatratze) bis hin zum Schengen-Abkommen: „In Europa wurden die alten Grenzhäuser in Cafés umgewandelt, auf dem Balkan ist genau das Gegenteil geschehen.“

Martin Graff beobachtet die Entwicklung Europas genau

Martin Graff beobachtet die Entwicklung Europas genau

Die Veranstaltung, die in Kooperation mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft und dem Institut Francais stattfand, das auch seine ansprechenden Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, stand unter bilateralen Zeichen: Ausgangspunkt von Graffs Buch bildet die (fiktiv aufbereitete) Suche nach seinem Vater, ein Alemanne, der für die Wehrmacht kämpfen musste (wie 130.000 weiterer Elsässer) und schließlich in Schlesien fiel. Im Buch, so die Fiktion, findet der Sohn heraus, dass der Vater nicht tot ist, sondern die Fronten ein weiteres Mal wechselt und sich dem polnischen Widerstand anschließt.

Martin Graff las auf deutsch und französisch aus seinem jüngsten Roman

Martin Graff las auf deutsch und französisch aus seinem jüngsten Roman

Das Schicksal der Alemannen und der Schlesier wird dabei auf interessante und ungewöhnliche Weise verglichen. Graff stellte am exzellent besuchten Abend eine beindruckende gedankliche Beweglichkeit zur Schau, die vor allem um die europäische Idee kreist: „Wenn man die Sprache wechselt, wechselt man die Augen“, ermunterte der Gedankenschmuggler Graff sein Publikum dazu, über Grenzen hinwegzuschreiten.

Geschichtsträchtiger Wein im Dienste der Völkerfreundschaft: Tomasz Horyd (1. Vorsitzender) überreicht Martin Graff eine Weinspende des DPG-Freundes Ludwik Haass

Geschichtsträchtiger Wein im Dienste der Völkerfreundschaft: Tomasz Horyd (1. Vorsitzender) überreicht Martin Graff eine Weinspende des DPG-Freundes Ludwik Haass

Dankte im Namen der Veranstalter: Hausherrin Isabelle Farcat (Institut Francais)

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Nur Grass und Schlink?

Unser Vorstandsmitglied Barbara Kowalski spricht in einem Interview mit der Deutschen Welle über deutsche Literatur auf dem polnischen Buchmarkt:
„Tylko Grass i Schlink? Niemiecka literatura na polskim rynku księgarskim“

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Warschau im Wandel

Hier ein Link zum Dia-Vortrag von Jan Szurmant im polnischen Kultursalon Wiesbaden (Pokusa). Das Video wurde von Krzystof Zbigniew Kidula erstellt.

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Ein Brückenbauer aus Lodz

Zahlreiche Ehrungen und Würdigungen hat der Kulturvermittler und Übersetzer Karl Dedecius in seinem Leben stets bescheiden entgegengenommen – oder vielmehr, über sich ergehen lassen. Darunter den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1990), den Orden des weißen Adlers (1997) und im letzten Jahr den Deutschen Nationalpreis.

Karl Dedecius inmitten der Laudatoren und Preisträger am Freitagabend, 20. Mai bei der Verleihung des Karl-Dedecius-Preises für deutsche und polnische Übersetzer.

Alles Aufhebens um seine Person ist dem hochverdienten Brückenbauer zwischen Deutschen und Polen eher unangenehm.

Dedecius, der von Polen respektvoll mit „profesor“ angeredet wird, wurde 1921 in Lodz, dem „Manchester des Ostens“ geboren und wuchs zweisprachig auf. Nach dem Überfall Polens wurde er in die Wehrmacht eingezogen und nach Stalingrad geschickt. In sieben Jahren sowjetischer Kriegsgefangenschaft brachte er sich selbst die russische Sprache bei.

Ein Kaffeetrinken im kleinen Kreis ging der Preisverleihung am Abend in der Orangerie in Darmstaddt voraus. Prof. Dieter Bingen, Leiter des DPI, überreicht ein Geburtstagspräsent.

Viele Jahre arbeitete er bei der „Allianz“ – lediglich in seinen freien Stunden widmete er sich seiner Leidenschaft, dem Übersetzen, korrespondierte mit den Großen Dichtern des 20. Jahrhunderts und besorgte unverzichtbare Anthologien, die den Deutschen ihre Nachbarn im Osten näher brachten. Das änderte sich erst viele Jahre später, als das DPI realisiert wurde, dessen geistiger Vater und spiritus rector Dedecius war. Gefördert von den Ländern Rheinland-Pfalz und Hessen sowie der Stadt Darmstadt gründete er also 1979 das bekannte Deutsche Polen Institut mit Sitz auf der Mathildenhöhe, dessen Leiter er bis 1997 war. Rasch gesellte sich die Robert Bosch Stiftung als wichtiger Partner und bedeutender Geldgeber hinzu.

Auch die prominenten Gäste konnten sich über Geschenke freuen. Die neueste Anthologie Dedecius' versammelt dessen liebste Texte polnischer Sprache in deutscher Übersetzung. Gesine Schwan freut sich über ihr Exemplar von "Meine polnische Biblitohek. Literatur aus neun Jahrhunderten."

20 Jahre lang arbeitete Dedecius an der „Polnischen Bibliothek“, die in 50 Bänden im Suhrkamp Verlag erschienen ist. Außerdem übersetzte er zahlreiche polnische und russische Dichter in die deutsche Sprache. Poeten wie Tadeusz Różewicz und Zbigniew Herbert widmeten ihm Gedichte. Als weiteres Hauptwerk gilt das siebenbändige „Panorama der polnischen Literatur des 20. Jahrhunderts“.

Seit 2003 verleiht die Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit dem DPI den mit jeweils 10.000 Euro dotierten Karl-Dedecius-Preis. Im Zwei-Jahres-Turnus wird der Preis an einen deutsche und einen polnischen Übersetzer oder Übersetzerin vergeben.

Die Preisträger Esther Kinsky und Ryszard Turzcyn können sich über eine Preissumme von je 10.000 Euro freuen. Ebenso wichtig ist jedoch die Anerkennung der geleisteten Arbeit und die Wertschätzung der Tätigkeit als Übersetzer und Vermittler zwischen den Kulturen.

Die Preisverleihung findet abwechselnd in Darmstadt und Krakau statt. In diesem Jahr waren 400 geladene Gäste aus Kultur, Politik und Kunst in der Darmstädter Orangerie anwesend als Esther Kinsky und Ryszard Turczyn für ihre Verdienste ausgezeichnet wurden. Unter ihnen waren auch einige Mitglieder der DPG Mainz-Wiesbaden. Esther Kinksy ist bekannt geworden durch ihre Übersetzungen der Werke Olga Torkarczuks. Ihr polnischer Kollege Ryszard Turczyn hat bereits mehr als 150 Texte aus dem Deutschen und Niederländischen in die polnische Sprache gebracht. Darunter das Hauptwerk von Hans Meyer, besser bekannt als Jean Améry „Jenseits von Schuld und Sühne“ oder Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Seine Übersetzung von „Die Klavierspielerin“ ist bis heute das einzige Werk Jelineks, das in polnischer Sprache verfügbar ist. Sie alle brachten Karl Dedecius ein polnisches Geburtstagsständchen dar: „Sto lat“ sangen die Gäste des sichtlich gerührten Nestors polnischer Kultur in Deutschland. „Sto lat“ – einhundert Jahre möge er alt werden, der „profesor“ von der Darmstädter Mathildenhöhe.

Ein musikalisches Programm umrahmte die festliche Veranstaltung und sorgte für klangvolle Akzente.

Karl Dedecius zeigte sich an seinem 90. Geburtstag noch immer voller Tatenkraft, Humor und Begeisterung für die polnische Kultur und Poesie. Die DPG-Mainz Wiesbaden gratuliert von Herzen. Sto lat, panie profesorze!

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DPG-Ausflug zur BUGA 2011

DPG-Ausflug zur BUGA 2011

Die BUGA in Koblenz bietet viele Hingucker. Nicht alle sind botanischer Natur.

Bei herrlichem Wetter unternahmen die Mitglieder der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Mainz-Wiesbaden e.V. am Samstag, 28. Mai, einen Ausflug zur Bundesgartenschau, die noch bis zum 16. Oktober dieses Jahres in Koblenz zu sehen sein wird. Das BUGA-Gelände ist in drei Areale unterteilt: „Kurfürstliches Schloss“, „Blumenhof am Deutschen Eck“ und – erreichbar über eine eigens gebaute Seilbahn – „Festung Ehrenbreitstein“. Das Gelände rund um die Festung ist mit Abstand das größte Areal, hier finden sich auch große Zelte und Ausstellungsflächen.

Futuristische Pavillions und Miniausstellungen finden sich überall auf dem weitläufigen BUGA-Areal. Der Besucher sollte vor allem Zeit mitbringen.

Es so kam es, wie es kommen musste: Einige Mitglieder verspäteten sich, andere wählten den falschen Eingang, so dass man schließlich in zwei Gruppen getrennt voneinander unterwegs war, da man sich auch später ständig verpasste. Die eine Gruppe konnte wie geplant an einer Führung über das Gelände teilnehmen.

Das BUGA-Gelände ist malerisch an Rhein und Mosel und rund um die Festung Ehrenbreitstein gelegen.

In zwei Gruppen ging es über das Gelände.

Die andere Gruppe erkundete die weitläufige BUGA-Fläche auf eigene Faust und durfte sich über einen (unerhofften und für alle Beteiligten überraschenden) V.I.P. Status bei der Eröffnung einer Fotoausstellung in einer der Blumenhallen freuen.

Wer ein gewaltiges Meer aus Blumen erwartet, wird in Koblenz wohl enttäuscht werden. Die BUGA setzt vielmehr auf florale Akzente.

Der Zeitpunkt der Veranstaltung war durchaus glücklich gewählt. Die lange Trockenperiode erwies sich zwar als ungünstig, einige Pflanzen und Blumen werden zudem erst im Sommer in der Blüte stehen. Die erwarteten Blumenmeere gab es daher allenfalls in den Zelten zu bewundern.

Ein Highlight war die Ausstellung der Grabkunstgärtner. Hier gab es vieles zu entdecken: im Mittelpunkt standen Grabgestaltungen, die der Individualität des Verstrobenen farbenfroh Rechnung tragen sollen.

Andererseits: bereits nach einigen Stunden im Freien hatte man sich einen Sonnenbrand zugezogen, der Großteil der weiten Ausstellungsfläche bietet keinen Sonnenschutz für die Besucher, die mindesten einen halben Tag hier unterwegs sein können, wenn sie das Gelände nur ablaufen möchten.

...nur ein Beispiel für moderne Grabsteinkunst.

Wenn man der Ausstellung trauen darf, dürften die Friedhöfe in Zukunft noch bunter und geradezu verspielt werden.

Viele Veranstaltungen und Aktionen locken auf dem Weg, für die man als Besucher extra Zeit einplanen sollte. Ein Erlebnis auf der BUGA stellen übrigens auch die abenteuerlichen Busfahrten zwischen Bahnhof und dem Areal um die Festung Ehrenbreitstein dar. Die Organisation der Shuttlebusse funktioniert offensichtlich nicht reibungslos – die Busfahrer versuchen dies durch einen „sportlichen“ Fahrstil wiedergutzumachen – in einem überfüllten Bus wahrlich kein Vergnügen.

Fazit:
Eine gelungene Veranstaltung voller kleiner Überraschungen, die noch besser hätte besucht sein können.

Gut lachen hatten die DPGler, die zufällig mitten hinein in eine Vernissage gerieten und als V.I.P.s an einem kleinen Sektempfang teilnahmen.

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