Leipziger Buchmesse mit Fokus Polen, Ukraine, Belarus

Zu Gast auf der Leipziger Buchmesse, die vom 15. bis 18. März stattfand, waren auch herausragende polnische SchriftstellerInnen: Andrzej Stasiuk und Sylwia Chutnik stellten beim „Fokus Polen“ ihre neuesten Romane vor: „Hinter der Blechwand“ (Suhrkamp) ist ein wilder Roadtrip durch Südosteuropa und behandelt den Einbruch der Globalisierung und der Chinawaren in die ländlichen Grenzgebiete. Chutnik, die einen Verein für die Rechte der Frauen gegründet hat, stellt in ihrem furiosen Romandebüt „Weibskram“ die Schicksale dreier Frauen und des „Weibsmannes“ Marian vor – allesamt Bewohner des Warschauer Stadtteils Ochota und alle Outsider, die aufgrund gesellschaftlicher Zwänge und eigener Veranlagung nicht glücklich sein können.

In einer weiteren Veranstlatung im „Café Europa“ diskutierten Autoren der drei Schwerpunktländer über das Thema Fußball und die bevorstehende EM: Hier waren Andreij Chadanowitsch (Belarus), Natalka Sniadanko und Serhji Zhadan (Ukraine) und Piotr Siemion zu Gast. „Der Fußball ist in Polen ein Spielball der Oligarchen“, verkündete der Breslauer: „Man muss aber dazusagen, dass der Fußball in den letzten 20 Jahren seine Funktion vollständig geändert hat. In den sozialistischen Zeiten war er ein Ersatz für alles: Für das Recht auf Selbstbestimmung, Ersatzreligion, Ersatzprotest, heute ist er eher wie eine auswendig gekannte Oper.“  Der Länderfokus unter dem Titel tranzyt wird auch 2013 und 2014 die Literatur Polens, der Ukraine und der Belarus zum Messeschwerpunkt machen. Mehr Informationen gibt es hier.

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Gauck besuchte Polen

Die erste Auslandsreise führte den neuen Bundespräsident Joachim Gauck im März nach Polen. Zwei Tage waren für den Antrittsbesuch im Nachbarland angesetzt. Die Reise, mit der auch die besondere Bedeutung des deutsch-polnischen Beziehungen Respekt gezollt wurde,  sei ihm „eine Herzenssache“, sagte Gauck bei der Begrüßung durch seinen polnischen Amtskollegen Bronislaw Komorowski im Belweder-Palast. Begleitet wurde Gauck von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt.

Komorowski überreichte Gauck ein Wahlplakat der Solidarnosc vom Juni 1989. Die Staatsmänner verabredeten Fördermöglichkeiten, etwa für die Begegnungsstätte Kreisau oder das Deutsch-Polnische Jugendwerk. Auch ein Treffen mit dem Premier Donald Tusk stand auf dem Programm. Mehr Informationen zur Polenreise Gaucks finden sich hier.

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Flucht, Vertreibung und Neuanfang

Benjamin Conrad

Referent Benjamin Conrad (Universität Mainz)

Nachwuchswissenschaftler und Osteuropaexperte Benjamin Conrad (Universität Mainz) referierte am 14. November in Kooperation von DPG und Studium generale über das Thema: „Zwischen Stalin, Staatsräson und Nostalgie. Die polnischen Heimatvertriebenen und Umsiedler.“ Die Veranstaltung im ehemaligen Fakultätssaal im Obergeschoss des Philosophicums der Johannes Gutenberg-Universität traf einen Nerv: Da die Sitzplätze nicht ausreichten, standen Zuhörer in „der zweiten Reihe“ oder machten es sich auf dem Fußboden so bequem wie möglich. Anschaulich und gewürzt mit neuen Erkenntnissen zur polnischen und europäischen Geschichte ging Conrad der Frage nach, vor welchen politischen Hintergründen die Umsiedlungen, Ausweisungen und Vertreibungen im 20. Jahrhundert im polnischen Staat stattfanden. Unterstützt durch eine Powerpointpräsentation führte Conrad durch ein Jahrhundert der Umbrüche. Sechs Kapitel vertieften unterschiedliche Schwerpunkte wie etwa „Polens Ostgrenze ab 1945“, „Vertreibung der Polen 1939 bis 1945“, „Entstehungsgeschichte der polnischen Westgrenze“. Conrad scheute sich nicht davor, auch „heiße Eisen“ anzupacken und etwa Unterschiede zwischen den deutschen und den polnischen Heimatvertriebenen zu analysieren oder auf die Themen Reiseverbote, Deportationen und Unterdrückungsmaßnahmen einzugehen. Hier zeigte sich, dass die internationale Osteuropaforschung im vereinten Europa dank Reisefreiheit und multilateraler Abkommen in den letzten Jahren immense Fortschritte gemacht hat. Beeindruckend war ebenfalls zu sehen,  welch immense Bedeutung dem Generationenwechsel zukommt: Statt auf direkte,  subjektive Erfahrung von Flucht, Vertreibung und politischen Spannungen zurückzugreifen, ist Conrads Generation vielmehr in einem vereinten Europa aufgewachsen und somit oft freier von alten Feinbildern und Stereotypen: Es ist nicht übertrieben, ihn als einen Vertreter einer neuen Generation von Europäern zu begreifen, die um ein vielfaches leichter einen unverstellten Blick auf die europäische Geschichte einnehmen können.

Viele Zuhörer: Der ehemalige Fakultätssaal bot kaum ausreichend Platz für die vielen interessierten Gäste

Durch die Westverschiebung des polnischen Staates, so referierte Conrad, wurden nach 1945 rund 70 Prozent der nun in UdSSR-Gebiet lebenden Polen gezwungen, ihre Heimat aufzugeben. Zumeist wurden sie in den ehemaligen deutschen Gebieten angesiedelt. „Die Machthaber der Volksrepublik sprachen von einer ‚Reptatriierung‘, vielmehr war es aber so, dass die Menschen in ein neues, fremdes Land  zwangsangesiedelt wurden“, erläuterte Conrad. Rund 1,5 Millionen Polen in den ehemaligen Ostgebieten verloren so bis in die 50er Jahre ihre Heimat.

Mit dem Thema Flucht und Vertreibung hatte die DPG offenbar einen Nerv getroffen

Währenddessen wurden eine halbe Millionen Litauer, Ukrainer und Weißrussen in die UdSSR umgesiedelt. Conrad kam auch auf das Schicksal der in Polen verbliebenen Reichsbürger zu sprechen und überraschte mit den nunmehr bekannten Ergebnissen der verfälschten Volksabstimmung von 1946. Auf diese hin wurde das einstige deutsche Territorium dem polnischen Staatsgebiet angegliedert. Statt der angeblichen 91 Prozent hatten damals lediglich 67 Prozent der Bevölkerung für die Annektierung des Gebietes gestimmt. Conrad zeigte, dass vor allem die kaschubische sowie oberschlesische Bevölkerung und die Bewohner der neuen Ostgebiete größtenteils gegen diese Maßnahme stimmte, während die Bewohner der großen Städte sowie der großpolnischen Gebiete einen Anschluss des Gebietes zum polnischen Staat befürworteten.

Die Resonanz auf den Vortrag war groß: Es entstand eine lebhafte Diskussion

Auf großes Interesse stießen auch Conrads Ausführungen über die polnische Minderheit in der heutigen Ukraine sowie Litauen, wo Minderheitsrechte auch heute noch wesentlich restriktiver gehandhabt werden als in der polnischen Republik. Mindestens 700.000 Polen leben heute in den einstigen Ostgebieten.

Vielen Zuhörern brannte es auf der Seele, eigene Erfahrungen zum Thema beizusteuern

Im Anschluss an den von den Zuhörern mehrfach gelobten Vortrag gab es den großen Wunsch nach einer ausgedehnten Diskussion. Zahlreiche Zuhörer ergriffen das Wort und steuerten, durchaus kontrovers, eigene Erfahrungen und Beobachtungen bei, etwa zum Schicksal der in Polen verbliebenen Reichsbürger, zur polnischen Minderheit in Lemberg oder heutigen Städtepartnerschaften oder Vertreibenenverbänden. Auch für Rückfragen gab es ausreichend Gelegenheit. Viele Teilnehmer folgten der Einladung von Iwona Derecka-Weber (DPG Mainz-Wiesbaden und langjährige Lehrkraft am Mainzer Polonicum), die die Veranstaltung organisiert hatte, die Diskussion im „Baron“ fortzusetzen. Besonders erfreulich war auch, dass die DPG durch den Vortrag zwei neue Mitglieder gewinnen konnte.

Osteuropaforscher Benjamin Conrad hat am Mainzer Polonicum erste Sprachkenntnisse gesammelt

Unermüdliche Einsatzbereitschaft für die polnisch-deutsche Sache: Organisatorin Iwona Derecka-Weber

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Gedankenschmuggelnder Grenzvagabund

Großes Interesse war beim Vortrag des elsässischen Autors, Filmemachers und Kabarettisten Martin Graff am 2. November zu verzeichnen.

Kein freier Platz: Das Institut Francais freute sich über einen großen Andrang

Kein freier Platz: Das Institut Francais freute sich über einen großen Andrang

Graff hatte nicht nur seinen jüngsten Roman „Grenzvagabund“  im Gepäck, sondern brachte auch zahlreiche Anekdoten dar und ging mit viel Humor auf die  jüngsten politische Ereignisse in Europa ein. Die Lesung aus seinem Roman (Verlag André Thiele, Mainz 2011 und als „Le vagabond des frontières im gleichen Jahr in der Edition Place Stanislas in Nancy erschienen) bildete freilich nur einen Teil des unterhaltsamen Programms: der Bogen wurde gespannt von Anekdoten über Graffs Großmutter über eine Mentalitätskunde der Deutschen und Franzosen anhand ihrer Schlafgewohnheiten (Französisches Ehebett vs. Deutsch-föderalistische Doppelmatratze) bis hin zum Schengen-Abkommen: „In Europa wurden die alten Grenzhäuser in Cafés umgewandelt, auf dem Balkan ist genau das Gegenteil geschehen.“

Martin Graff beobachtet die Entwicklung Europas genau

Martin Graff beobachtet die Entwicklung Europas genau

Die Veranstaltung, die in Kooperation mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft und dem Institut Francais stattfand, das auch seine ansprechenden Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, stand unter bilateralen Zeichen: Ausgangspunkt von Graffs Buch bildet die (fiktiv aufbereitete) Suche nach seinem Vater, ein Alemanne, der für die Wehrmacht kämpfen musste (wie 130.000 weiterer Elsässer) und schließlich in Schlesien fiel. Im Buch, so die Fiktion, findet der Sohn heraus, dass der Vater nicht tot ist, sondern die Fronten ein weiteres Mal wechselt und sich dem polnischen Widerstand anschließt.

Martin Graff las auf deutsch und französisch aus seinem jüngsten Roman

Martin Graff las auf deutsch und französisch aus seinem jüngsten Roman

Das Schicksal der Alemannen und der Schlesier wird dabei auf interessante und ungewöhnliche Weise verglichen. Graff stellte am exzellent besuchten Abend eine beindruckende gedankliche Beweglichkeit zur Schau, die vor allem um die europäische Idee kreist: „Wenn man die Sprache wechselt, wechselt man die Augen“, ermunterte der Gedankenschmuggler Graff sein Publikum dazu, über Grenzen hinwegzuschreiten.

Geschichtsträchtiger Wein im Dienste der Völkerfreundschaft: Tomasz Horyd (1. Vorsitzender) überreicht Martin Graff eine Weinspende des DPG-Freundes Ludwik Haass

Geschichtsträchtiger Wein im Dienste der Völkerfreundschaft: Tomasz Horyd (1. Vorsitzender) überreicht Martin Graff eine Weinspende des DPG-Freundes Ludwik Haass

Dankte im Namen der Veranstalter: Hausherrin Isabelle Farcat (Institut Francais)

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Nur Grass und Schlink?

Unser Vorstandsmitglied Barbara Kowalski spricht in einem Interview mit der Deutschen Welle über deutsche Literatur auf dem polnischen Buchmarkt:
„Tylko Grass i Schlink? Niemiecka literatura na polskim rynku księgarskim“

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Warschau im Wandel

Hier ein Link zum Dia-Vortrag von Jan Szurmant im polnischen Kultursalon Wiesbaden (Pokusa). Das Video wurde von Krzystof Zbigniew Kidula erstellt.

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Ein Brückenbauer aus Lodz

Zahlreiche Ehrungen und Würdigungen hat der Kulturvermittler und Übersetzer Karl Dedecius in seinem Leben stets bescheiden entgegengenommen – oder vielmehr, über sich ergehen lassen. Darunter den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1990), den Orden des weißen Adlers (1997) und im letzten Jahr den Deutschen Nationalpreis.

Karl Dedecius inmitten der Laudatoren und Preisträger am Freitagabend, 20. Mai bei der Verleihung des Karl-Dedecius-Preises für deutsche und polnische Übersetzer.

Alles Aufhebens um seine Person ist dem hochverdienten Brückenbauer zwischen Deutschen und Polen eher unangenehm.

Dedecius, der von Polen respektvoll mit „profesor“ angeredet wird, wurde 1921 in Lodz, dem „Manchester des Ostens“ geboren und wuchs zweisprachig auf. Nach dem Überfall Polens wurde er in die Wehrmacht eingezogen und nach Stalingrad geschickt. In sieben Jahren sowjetischer Kriegsgefangenschaft brachte er sich selbst die russische Sprache bei.

Ein Kaffeetrinken im kleinen Kreis ging der Preisverleihung am Abend in der Orangerie in Darmstaddt voraus. Prof. Dieter Bingen, Leiter des DPI, überreicht ein Geburtstagspräsent.

Viele Jahre arbeitete er bei der „Allianz“ – lediglich in seinen freien Stunden widmete er sich seiner Leidenschaft, dem Übersetzen, korrespondierte mit den Großen Dichtern des 20. Jahrhunderts und besorgte unverzichtbare Anthologien, die den Deutschen ihre Nachbarn im Osten näher brachten. Das änderte sich erst viele Jahre später, als das DPI realisiert wurde, dessen geistiger Vater und spiritus rector Dedecius war. Gefördert von den Ländern Rheinland-Pfalz und Hessen sowie der Stadt Darmstadt gründete er also 1979 das bekannte Deutsche Polen Institut mit Sitz auf der Mathildenhöhe, dessen Leiter er bis 1997 war. Rasch gesellte sich die Robert Bosch Stiftung als wichtiger Partner und bedeutender Geldgeber hinzu.

Auch die prominenten Gäste konnten sich über Geschenke freuen. Die neueste Anthologie Dedecius' versammelt dessen liebste Texte polnischer Sprache in deutscher Übersetzung. Gesine Schwan freut sich über ihr Exemplar von "Meine polnische Biblitohek. Literatur aus neun Jahrhunderten."

20 Jahre lang arbeitete Dedecius an der „Polnischen Bibliothek“, die in 50 Bänden im Suhrkamp Verlag erschienen ist. Außerdem übersetzte er zahlreiche polnische und russische Dichter in die deutsche Sprache. Poeten wie Tadeusz Różewicz und Zbigniew Herbert widmeten ihm Gedichte. Als weiteres Hauptwerk gilt das siebenbändige „Panorama der polnischen Literatur des 20. Jahrhunderts“.

Seit 2003 verleiht die Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit dem DPI den mit jeweils 10.000 Euro dotierten Karl-Dedecius-Preis. Im Zwei-Jahres-Turnus wird der Preis an einen deutsche und einen polnischen Übersetzer oder Übersetzerin vergeben.

Die Preisträger Esther Kinsky und Ryszard Turzcyn können sich über eine Preissumme von je 10.000 Euro freuen. Ebenso wichtig ist jedoch die Anerkennung der geleisteten Arbeit und die Wertschätzung der Tätigkeit als Übersetzer und Vermittler zwischen den Kulturen.

Die Preisverleihung findet abwechselnd in Darmstadt und Krakau statt. In diesem Jahr waren 400 geladene Gäste aus Kultur, Politik und Kunst in der Darmstädter Orangerie anwesend als Esther Kinsky und Ryszard Turczyn für ihre Verdienste ausgezeichnet wurden. Unter ihnen waren auch einige Mitglieder der DPG Mainz-Wiesbaden. Esther Kinksy ist bekannt geworden durch ihre Übersetzungen der Werke Olga Torkarczuks. Ihr polnischer Kollege Ryszard Turczyn hat bereits mehr als 150 Texte aus dem Deutschen und Niederländischen in die polnische Sprache gebracht. Darunter das Hauptwerk von Hans Meyer, besser bekannt als Jean Améry „Jenseits von Schuld und Sühne“ oder Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Seine Übersetzung von „Die Klavierspielerin“ ist bis heute das einzige Werk Jelineks, das in polnischer Sprache verfügbar ist. Sie alle brachten Karl Dedecius ein polnisches Geburtstagsständchen dar: „Sto lat“ sangen die Gäste des sichtlich gerührten Nestors polnischer Kultur in Deutschland. „Sto lat“ – einhundert Jahre möge er alt werden, der „profesor“ von der Darmstädter Mathildenhöhe.

Ein musikalisches Programm umrahmte die festliche Veranstaltung und sorgte für klangvolle Akzente.

Karl Dedecius zeigte sich an seinem 90. Geburtstag noch immer voller Tatenkraft, Humor und Begeisterung für die polnische Kultur und Poesie. Die DPG-Mainz Wiesbaden gratuliert von Herzen. Sto lat, panie profesorze!

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DPG-Ausflug zur BUGA 2011

DPG-Ausflug zur BUGA 2011

Die BUGA in Koblenz bietet viele Hingucker. Nicht alle sind botanischer Natur.

Bei herrlichem Wetter unternahmen die Mitglieder der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Mainz-Wiesbaden e.V. am Samstag, 28. Mai, einen Ausflug zur Bundesgartenschau, die noch bis zum 16. Oktober dieses Jahres in Koblenz zu sehen sein wird. Das BUGA-Gelände ist in drei Areale unterteilt: „Kurfürstliches Schloss“, „Blumenhof am Deutschen Eck“ und – erreichbar über eine eigens gebaute Seilbahn – „Festung Ehrenbreitstein“. Das Gelände rund um die Festung ist mit Abstand das größte Areal, hier finden sich auch große Zelte und Ausstellungsflächen.

Futuristische Pavillions und Miniausstellungen finden sich überall auf dem weitläufigen BUGA-Areal. Der Besucher sollte vor allem Zeit mitbringen.

Es so kam es, wie es kommen musste: Einige Mitglieder verspäteten sich, andere wählten den falschen Eingang, so dass man schließlich in zwei Gruppen getrennt voneinander unterwegs war, da man sich auch später ständig verpasste. Die eine Gruppe konnte wie geplant an einer Führung über das Gelände teilnehmen.

Das BUGA-Gelände ist malerisch an Rhein und Mosel und rund um die Festung Ehrenbreitstein gelegen.

In zwei Gruppen ging es über das Gelände.

Die andere Gruppe erkundete die weitläufige BUGA-Fläche auf eigene Faust und durfte sich über einen (unerhofften und für alle Beteiligten überraschenden) V.I.P. Status bei der Eröffnung einer Fotoausstellung in einer der Blumenhallen freuen.

Wer ein gewaltiges Meer aus Blumen erwartet, wird in Koblenz wohl enttäuscht werden. Die BUGA setzt vielmehr auf florale Akzente.

Der Zeitpunkt der Veranstaltung war durchaus glücklich gewählt. Die lange Trockenperiode erwies sich zwar als ungünstig, einige Pflanzen und Blumen werden zudem erst im Sommer in der Blüte stehen. Die erwarteten Blumenmeere gab es daher allenfalls in den Zelten zu bewundern.

Ein Highlight war die Ausstellung der Grabkunstgärtner. Hier gab es vieles zu entdecken: im Mittelpunkt standen Grabgestaltungen, die der Individualität des Verstrobenen farbenfroh Rechnung tragen sollen.

Andererseits: bereits nach einigen Stunden im Freien hatte man sich einen Sonnenbrand zugezogen, der Großteil der weiten Ausstellungsfläche bietet keinen Sonnenschutz für die Besucher, die mindesten einen halben Tag hier unterwegs sein können, wenn sie das Gelände nur ablaufen möchten.

...nur ein Beispiel für moderne Grabsteinkunst.

Wenn man der Ausstellung trauen darf, dürften die Friedhöfe in Zukunft noch bunter und geradezu verspielt werden.

Viele Veranstaltungen und Aktionen locken auf dem Weg, für die man als Besucher extra Zeit einplanen sollte. Ein Erlebnis auf der BUGA stellen übrigens auch die abenteuerlichen Busfahrten zwischen Bahnhof und dem Areal um die Festung Ehrenbreitstein dar. Die Organisation der Shuttlebusse funktioniert offensichtlich nicht reibungslos – die Busfahrer versuchen dies durch einen „sportlichen“ Fahrstil wiedergutzumachen – in einem überfüllten Bus wahrlich kein Vergnügen.

Fazit:
Eine gelungene Veranstaltung voller kleiner Überraschungen, die noch besser hätte besucht sein können.

Gut lachen hatten die DPGler, die zufällig mitten hinein in eine Vernissage gerieten und als V.I.P.s an einem kleinen Sektempfang teilnahmen.

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„Nebeneinander deutscher Vergangenheit und polnischer Gegenwart“

Im Ministerium für Wissenschaft und Kunst stellte Dr. Oliver Loew sein neues Buch über Danzig vor / Lesung im Rahmen der Europawoche

Im Rahmen der Europawoche (5. bis 16. Mai) fand am Mittwoch, 11. Mai, um 19.30 Uhr im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst Rheinstraße 23 – 25, eine Autorenlesung mit Dr. Oliver Loew statt. Veranstalter war die Deutsch-Polnische Gesellschaft (DPG) Mainz-Wiesbaden e.V. Loew ist Historiker, Slawist und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am renommierten Deutschen-Polen-Institut Darmstadt tätig. Er kann als Experte für das „Venedig des Nordens“ gelten: Fünf Jahre lang hat er in der Stadt gelebt.

Dr. Oliver Loew (DPI Darmstadt) ist ein eloquenter Kenner Danzigs

In mehreren Büchern hat er sich Danzig, das symbolisch für die Solidarność, die Hanse und das deutsch-polnische Mit- und Gegeneinander steht, bereits gewidmet. Am vergangenen Mittwoch stellte Loew dem Publikum sein neuestes Buch unter dem Titel  „Danzig. Biographie einer Stadt“ vor, das im Verlag C. H. Beck in diesem Jahr erschienen und 320 Seiten stark ist.

Tomasz Horyd, 1. Vorsitzender der DPG Mainz-Wiesbaden e. V. begrüßte die rund 40 Gäste und sprach den Hessischen Ministerien für Wissenschaft und Kunst sowie der Justiz, für Europa und Integration für die Förderung einen herzlichen Dank aus.

Danzig: Stolze Hansestadt, Zentrum des Ostseehandels, „Freie Stadt“ durch die Friedensverträge von Versailles, Ort des Kriegsausbruchs von 1939 (Der Beschuss der Westerplatte), Schauplatz eines beispiellosen Wiederaufbaus, Stadt der „Blechtrommel“, der Literaten (Paweł Huelle, Stefan Chwin, Martin Opitz, Günter Grass u.a.) und der Solidarność: Danzigs Geschichte zwischen Deutschland und Polen ist spannend und faszinierend zugleich.

Den Gästen wurde es Dank eines spannenden Vortrages nicht langweilig.

Dr. Loew stellte sein Buch mit ausgewählten Zitaten, in einem freien Redebeitrag vor und unternahm einen Parforceritt durch die wechselvolle Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner. Im Anschluss fand eine Diskussion statt, die von Prof. Dr. med. Ulmer geleitet wurde. Der pensionierte Professor für Sportphysiologie, geboren 1939 in Danzig-Langfuhr, lebt seit 40 Jahren in Mainz und engagiert sich in der DPG Mainz-Wiesbaden. Natürlich konnte das Buch Loews auch an einem Buchstand erworben werden. Rund zwei Stunden dauerte die Veranstaltung, in der sich unterhaltsame Anekdoten mit anschaulichen Beispielen des „Missbrauchs der Geschichte“ etwa durch die Nationalsozialisten und Stalinisten abwechselten.

Natürlich gab es auch einen Büchertisch. Dort gingen im Anschluss einige Exemplare von Loews Buch „Danzig. Biographie einer Stadt“ über den „Tresen“.

Schwerpunkt der anschließenden Diskussion bildete das 20. Jahrhundert, in das sich Danzig, so Loew, „als eine der europäischen Symbolstädte“ mehrfach eingeschrieben habe.

... wer wollte, konnte sich sein Buch auch gleich signieren lassen und dabei mit dem Referenten ins Gespräch kommen.

Die von rund 40 Gästen besuchte Lesung wurde vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Hessischen Ministerium der Justiz für Integration und Europa unterstützt.

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„Deutsche und Polen – ewig fremde Nachbarn?“

Lebhafte Diskussionen beim 8. Osteuropa in Mainz zur Bewertung des deutsch-polnischen Verhältnisses nach 1990 / Geplantes Zentrum gegen Vertreibungen bietet noch immer Zündstoff

Am 6. Mai fand in der Alten Mensa der Johannes Gutenberg-Universität der 8. Osteuropatag statt. Die Veranstalter der Konrad-Adenauer-Stiftung, Bildungswerk Mainz und der Osteuropa-AG sorgten den ganzen Tag für ein bunt gemischtes Programm aus Informationsveranstaltungen, Referaten und Podiumsdiskussionen. Das vorwiegend studentische Publikume verfolgte gespannt die Vorträge. In den Pausen kam man bei Kaffe, Kuchen oder wahlweise alkohlischen Getränken rasch miteinander ins Gespräch.Von 10 bis 12 Uhr konnte sich das zunächst noch vorwiegend studentische Publikum über die Arbeit verschiedener Vereine, Initiativen und Institute informieren: so stellten sich das Deutsch-Polnische Forum, die Europauniversität Viadrina, die Stiftung Deutsch-Polnische Aussöhnung und viele weitere vor. Hier durfte das renommierte Mainzer Polonicum nicht fehlen, an dem seit vielen Jahren Polnischintensivkurse und Sprachaufenthalte auch für Nicht-Slavisten angeboten werden. Die Osteuropa-AG, die vor 10 Jahren eigentlich als „Russland-AG“ gegründet worden war, feierte ihr Jubiläum mit einem Rückblick und „Lagebericht“ über derzeitige Aktivitäten und Pläne. Beim 8. Osteuropatag diskutierten Studenten und Profesoren über das deutsch-polnische VerhältnisAußerdem informierten Studenten und die Abteilung Internationales über Vorbereitung und Möglichkeiten eines Auslandssemesters im Land an der Weichsel. Nach der Mittagspause standen mehrere Referate und Diskussionen auf dem Programm. Dr. Paulina Jędrzejczyk bildete mit dem „ABC der polnischen Mentalität“ den Auftakt. Im Anschluss tauschten sich vier Mitglieder der Osteuropa-AG über „Das Polenbild der jungen Deutschen und das Deutschlandbild der jungen Polen“ aus. Auch die Gäste der Veranstaltung schalteten sich in das Gespräch ein.Aneta Karpińska und Alex Tyra vertraten die polnische Seite, Christian Heitzmann und Immanuel Gieschen sprachen als Deutsche. Hier war der Konsens, dass die Polen besser über die Deutschen denken als umgekehrt. Polen sei für viele Deutsche ein unbekanntes Land, die Sprachbarriere erschwere außerdem den Zugang. Außerdem, so die vielleicht unberechtigte Kritik, sei das in den Medien verbreitete Bild von Polen oft einseitig und stereotyp. Dennoch war man sich einig, dass es Deutsche in Polen leichter hätten als umgekehrt, die Bürokratie und „abweisende“ Mentalität der Deutschen mache es den Polen schwer. Wenn ein Pole fragt: „Wie geht’s?“, dann möchte er eine Geschichte hören. Ein Deutscher antwortet bloß „Gut“, verdeutlichte Aneta, die selbst einen deutschen Freund hat. Die Polen fühlten sich nicht gerade „mit offenen Armen empfangen“. Generell seien die meisten Deutschen aber äußerst positiv überrascht, wenn sie das Nachbarland bspw. im Urlaub kennenlernten. Weitere Themen der Diskussion waren Atompolitik (Polen plant den Bau eines Atomkraftwerks), die umstrittene Ostseepipeline, Erika Steinbach und die Bedeutung der EU. Insgesamt, so wurde deutlich, sehen sich die Studenten vorrangig als Europäer. Alex Tyra, der im Alter von 2 Jahren nach Deutschland gekommen ist, begreift sich etwa als „polnischen Europäer deutscher Prägung“. Eine weitere Gemeinsamkeit fanden die Studenten auch heraus: Sowohl Deutsche als auch Polen seien „notorische Nörgler“, wobei die Deutschen lieber über andere nörgelten und die Polen eher über ihre eigene Nation. Höhepunkt der Veranstaltung bildete die Podiumsdiskussion am späten Nachmittag, die von hochkarätigen Experten bestritten wurde. Höhepunkt der Veranstaltung war die Podiumsdiskussion am späten Nachmittag, die sich an das Impulsreferat von Prof. Dieter Bingen (Deutsches Polen Institut Darmstadt) zum Thema „Deutschland und Polen nach 1990“ anschloss. Hier diskutierten Tomasz Badowski (Vizekonsul im Generalkonsulat der Republik Polen), Prof. Bingen, Prof. Michael Pietsch, (Vorstandsmitglied der Landsmannschaft Schlesien, Landesvorstand im Bund der Vertriebenen und Mitglied des Mainzer Stadrates) sowie Radiomoderator Elizeus Plichta (Vorstand Verband polnischer Journalisten). Es moderierte Benjamin Conrad (Universität Mainz).

In der Diskussion wurde die Angst in Westeuropa, dass durch die Arbeitsfreizügigkeit ab Mai „Horden von polnischen und tschechischen Billiglohnarbeitern“ (Prof. Bingen) über die Grenze kommen könnten, als Phantom entlarvt. Im Gegenteil: Gerade die Deutschen werden vom Zuzug der dringend benötigten, hochqualifizierten Fachkräften profitieren. Eine Gefahr bestehe vielmehr für Polen. Die Größenordung der Migrationsbewegung werde zudem in der Regel vollkommen überschätzt. Dietsch betonte: „Migration in Europa ist normal – alles andere ist altes Denken“. Prof. Bingen sagte ein Ende des derzeit ruhigen deutsch-polnischen Verhältnisses durch die anstehenden Wahlen in Polen voraus. Bereits in seinem Vortrag hatte Bingen darauf verwiesen, dass Deutschland und Polen keine „Interessenidentität“, sehr wohl aber eine „Interessensgemeinschaft“ verbinde. „Die Kurzfristigkeit der Außenpolitik bringt ein hohes Potential an Störanfälligkeit mit sich“, erklärte Bingen am Beispiel des Irakkrieges. „Gerade in Wahlkampfzeiten kann die Veränderung des Tonfalls für eine Abkühlung des Verhältnisses beider Länder sorgen“, resümierte Bingen. An Zündstoff jedenfalls mangelt es nicht, wie die mitunter sehr lebhaft geführte Diskussion zeigte. Die Umsetzung des geplanten „Zentrums gegen Vertreibungen“, das der BdV auf deutschem Boden errichten will, ist eines der Reizthemen.Die Diskussion wurde lebhaft geführt und drehte sich auch um kontroverse Themen wie das geplante "Zentrum gegen Vertreubungen". Vizekonsul Badowski (l.) im Dialog mit Prof. Bingen (DPI). „Die Vertriebenen sind keine Feinde für uns, sondern ebenfalls Opfer des durch die Nazis begonnenen Krieges“, machte Badowski den polnischen Standpunkt klar. Die Polen fürchten, dass durch eine Konzentration auf das Leid der (deutschen) Vertriebenen der Zusammenhang verwischt werde, dass der „Krieg im Westen nicht mit dem Vernichtungskrieg im Osten gleichgesetzt werden kann“, so Badowski weiter. Zudem seien die Vertreibungen ein Ergebnis der Beschlüsse der Alliierten Siegermächte, die Polen um 150 km nach Westen verschoben hätten. „Zudem fürchten die Polen eine „Opferkonkurrenz“, ergänzte Plichta. Daher sei für viele Polen der Standort des Zentrums ein Dorn im Auge. Auf polnischer Seite wurde immer wieder Breslau als Standort ins Gespräch gebracht, da die Stadt zum Zentrum der polnischen Vertriebenen aus Lemberg und den polnischen Ostgebieten wurde. Pietsch versuchte, die Opferkonkurrenz zu behaupten, indem er einen unglücklichen Vergleich zwischen der „Schuld der Polen an den Vertreibungen“ mit der Schuld der Wehrmachtssoldaten an den Erschießungen polnischer und jüdischer Zivilisten zog. Dennoch betonte Pietsch den europäischen Charakter des Zentrums gegen Vertreibungen: „Das Zentrum dient nicht der Umdeutung der Geschichte.“ Nachwuchswissenschaftler Benjamin Conrad (Universität Mainz) moderierte fachkundig die Diskussion und sorgte für eine ausgewogene Verteilung der Redeanteile.Die Person Erika Steinbach und die Forderung nach einer Entschädigung der deutschen Vertriebenen erregte nach wie vor die Gemüter auf beiden Seiten. Prof. Bingen erwies sich als fähiger Vermittler: Die Vertriebenendiskussion in Deutschland sei nie offen geführt worden und daher lange überfällig. Er bedauerte, dass der BdV die Idee eines Zentrums gegen Vertreibungen benutzt habe, „um wieder ein Thema zu haben“. Auf polnischer Seite kritisierte er die ungerechtfertigte Fokussierung der Diskussion in Form medialer Kritik an vereinzelten Personen. Bingen verdeutlichte, dass nicht der Standort des Museums ausschlaggebend sei, sondern die Konzeption der Ausstellung. Durch anerkannte und renommierte deutsche wie polnische Historiker im Beirat des geplanten Zentrums sei sichergestellt, dass eine „angemessene Kontextualisierung“ erfolge.

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