Flucht und Vertreibung als gemeinsame Erfahrung im Europa des 20. Jahrhunderts

Wenn es um das Thema Flucht und Vertreibung geht, etwa im Schulunterricht, so liegt der Fokus in Deutschland zumeist auf der eigenen Geschichte. Dass die Vorgänge am Ende des Zweiten Weltkriegs im 20. Jahrhundert jedoch nicht singulär waren, erfuhren die Besucher durch den Vortrag des Stettiner Historikers Jan M. Piskorski am 25. September in der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung in Wiesbaden.

Anders als man es vielleicht erwartet hatte, ging es eben nicht darum, wer, wann, wenn aus welchem Gebiet und warum vertrieben hat, sondern vielmehr um die gemeinsamen Erfahrungen die die betroffenen Menschen dabei gemacht haben und um die Folgen, die sich aus den Bevölkerungsverschiebungen für die Gesellschaften ergaben. Mit zahlreichen eindrucksvollen Bildern illustrierte Jan M. Piskorski während seines Vortrags diese gemeinsamen Erfahrungen, die Menschen fast überall in Europa im 20. Jahrhundert machen mussten.

Jan M. Piskorski (rechts)

Jan M. Piskorski (rechts)

Bereits Achim Güssgen-Ackva von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung als einladender Hausherr spannte in seiner Begrüßung den Bogen bis in die Gegenwart, wo infolge von zahlreichen Kriegen und Konflikten in und um Europa immer neue Flüchtlinge nach Europa drängen und uns vor große Herausforderungen stellen.

IMG_9334as

Peter Oliver Loew (links) im Gespräch mit Jan M. Piskorski

Dass die Integration von Fremden durchaus gelingen kann, wurde später im Gespräch im Peter Oliver Loew vom Deutschen Polen-Institut in Darmstadt deutlich. Er verwies auf die Einwanderung von Polen nach Deutschland während des Kaiserreichs, die sich zu allermeist bis heute bis auf den Namen vollständig assimiliert haben. Und so ging es in der Diskussion auch darum, wie Integrationsbarrieren abgebaut werden könnten. Jan Piskorski betonte, wie unheimlich reich Europa heute sei, warf aber dennoch den Gedanken ein, dass es möglicherweise nötig werden könnte, die Sozialsysteme abzubauen, um die Integration einer großen Zahl von Flüchtlingen zu ermöglichen. Wichtig sei vor allem, dass die Zuwanderer in Europa rasch Arbeit fänden und so einerseits von Zuwendungen unabhängig würden und andererseits von  ideologischer Radikalisierung und Segregation von der Mehrheitsgesellschaft abgehalten würden.

IMG_9335s

Im Nachgespräch: Tomasz Horyd von der DPG (mitte) und Peter Oliver Loew vom DPI (rechts)

Share
Dieser Beitrag wurde unter Veranstaltungsbericht veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *