„Zwei Solidaritäten – ,Polenhilfe‘ (1981–1983)“

Bericht zur Buchpräsentation der Autorin Barbara Cöllen im Gespräch mit Jerzy Paetzold über die Paketaktion 1981 – 1983: „Polenhilfe – als Schmuggler für Polen unterwegs – Pomoc dla Polski. Zostali przemytnikami dla Polaków“*

Eine Veranstaltung des Mainzer Studiums generale in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Mainz-Wiesbaden am 29.5.2017

In Konkurrenz zu einem ausgezeichneten Sommerwetter hatten sich 13 Zuhörer eingefunden, denen ein spannendes Programm geboten wurde.

Als Vorstandsmitglied der DPG Mainz-Wiesbaden begrüßte Prof. Ulmer die Organisatorin der Veranstaltung, Frau Iwona Derecka-Weber, die beiden Ehrengäste sowie die Zuhörer und stellte zunächst die beiden Akteure vor:

Frau Barbara Cöllen, geb. in Polen, Studium der Germanistik an der Universität Warschau, lebt seit 1984 in Deutschland. Sie ist tätig beim Rundfunk Deutsche Welle und vielseitig als freie Journalistin, Autorin, Herausgeberin, Moderatorin, Übersetzerin, Lehrerin und 1. Vorsitzende des bundesweiten Verbandes „Polnische Journalisten in Deutschland“ e.V.

Herr Jerzy Paetzold, in der Nähe von Danzig geboren, kam 1974 nach Deutschland und verfügt somit auch über eine polnische und eine deutsche Sicht der Ereignisse. Er wohnt in Heidelberg, arbeitet dort u.a. als regelmäßiger Übersetzer für einen Polen-Newsletter sowie mit dem Verein „Initiative Partnerschaft mit Polen e.V.“ in Heidelberg zusammen und engagiert sich für einen neuen Verein „Camera Lucida 1755 e.V.“.

Die Veranstaltung entstand durch den Wunsch, die anlässlich einer sich zuspitzenden Versorgungslage in Polen entstandene westdeutsche Paket-Hilfsaktion und deren Bedeutung für die Deutsch-Polnischen Beziehungen in Erinnerung zu bringen. Schnell fielen die vorbereitenden Recherchen von Frau Derecka-Weber auf Frau Cöllen und deren Buch. Erst bei der weiteren Vorbereitung fiel der Untertitel auf: als Schmuggler für Polen unterwegs und wir fragten uns, was wurde denn da geschmuggelt: Zigaretten, Kaffee oder? Da das Buch in Deutschland nur noch antiquarisch zu bekommen war, konnten erst später die Umstände der Schmuggelei, die sich fast wie ein Krimi lesen lassen, für die Organisatoren erhellt werden. Schließlich wurden wir noch auf einen Film aufmerksam gemacht: „Pakete der Solidarität“ von Lew Hohmann (DE/PL 2011, 45 Min).

Die polnischen Bischöfe hatten bereits 1965 mitten im kalten Krieg mit einem Brief „Bitte um Vergebung“ an die Deutsche Bischofskonferenz den ersten Schritt zu einer Annäherung gewagt, der damals in der deutschen Öffentlichkeit wenig beachtet wurde. Die Paketaktion dagegen geriet dann zu einer echten Volksbewegung in die Gegenrichtung.

Frau Cöllen begann mit Erinnerungen an die Verhängung des Kriegsrechts in Polen am 13.12.1981 und die nachfolgend noch zunehmend verschärfte Versorgungs- und Wirtschaftslage: Ausgang für die Paketaktion. Anlässlich des bevorstehenden 30järigen Jubiläums der unabhängigen Gewerkschaft „Solidarność“ (gegründet im Sommer 1980) entstand die Idee zu einer Dokumentation zur Paketaktion. Frau Cöllen übernahm die Vorbereitung der Publikation und erlebte in Deutschland und Polen überwältigende Emotionen zu dieser Aktion. Über Kleinkinder der damaligen Zeit in Polen entstand der Begriff „Milupa-Generation“. Ihr Buch habe sie speziell für Jugendliche zusammengestellt, um die Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements und der Solidarität zu vermitteln, zugleich aber auch als Dank für die Menschen, die dort mitgewirkt hatten. Bei Veranstaltungen in Schulen versuche sie, Jugendliche zum Nachforschen über die damaligen Vorgänge zu motivieren und auf die Bedeutung des Handelns einer Zivilgesellschaft in Krisen- und Notsituationen hinzuweisen.

Die Paketaktion hätte einen großen Beitrag zur Veränderung gegenseitiger Wahrnehmung der Polen und Deutschen nach dem 2. Weltkrieg geliefert und durch zahlreiche Begegnungen maßgeblich zu Versöhnungsarbeit und Partnerschaften auf allen Ebenen geführt. Dabei hätte auch das Gefühl der Empfänger mitgespielt: Da denkt jemand an uns, wir sind nicht alleine in unserer Not, und dies gilt auch für individuelle Geldspenden.

Während viele westdeutsche Politiker sich zunächst öffentlich zur Situation in Polen zurückhielten, galt dies nicht für Norbert Blüm und den Postminister Schwarz-Schilling. Neben zahlreichen Institutionen (z. B. DGB) beteiligten sich viele westdeutsche Bürger mit Einzelaktionen, bei denen oft ein christliches Menschenbild mitgeschwungen hätte. Bei ihren Befragungen westdeutscher Bürger wurden immer wieder auch Erinnerungen an Care-Pakete in der Nachkriegszeit aus den USA als Motiv für die neue Hilfsbereitschaft gegenüber Polen genannt.

Zum Schluss ging Frau Cöllen auf die Schmuggelware ein, die mit viel Einfallsreichtum nach Polen vor allem für die Unterstützung der „Solidarność“ und Untergrundverlage transportiert wurden – neben Geld u.a. Druckmaschinen, Papier, Elektronik-Teile für „Solidarność“-Sender usw. –, geschmuggelt wurden aber auch Ideen, neue Gerüche und Geschmäcke.

Bei dem temperamentvollen Vortrag von Frau Cöllen konnte Herr Paetzold etliche Fragen an sie einbringen, mehrere seiner Fragen waren aber schon beantwortet, bevor er sie stellen konnte.

In der halbstündigen Diskussion wurden auch mehre Fragen vom Publikum gestellt, u.a. zur parallelen Paketaktion der DDR und zur Rigidität der Grenzkontrollen. Nur wenige Schmuggler wurden an der Grenze gefasst und auch verurteilt. An der Grenze zu Polen überließen die DDR-Behörden den polnischen Grenzbeamten die Kontrolle.

Ausführlich wurde über die Erklärung der Bundesregierung vom 14. Januar 1982 als ein öffentliches Signal zum Handeln eingegangen.

Eine zweite, überarbeitete Auflage des Buches, das sich wiederum bevorzugt an die Jugend wenden soll, wird vorbereitet – geplante Erscheinung im 1. Quartal 2018. Ferner ist ein Buch über die parallele Paketaktion der DDR vorgesehen.

Der Veranstaltung schloss sich ein Nachtreffen in der Gaststätte Baron an; beide Akteure standen mehreren Teilnehmern bei herrlichem Sommerwetter für anregende Gespräche bis 22:30 Uhr zur Verfügung.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und mit herzlichem Dank an B. Cöllen und J. Paetzold.

* Zweisprachiges Buch: Polenhilfe – als Schmuggler für Polen unterwegs –  Pomoc dla Polski. Zostali przemytnikami dla Polaków“. Taschenbuch, 268 Seiten, Verlag ATUT, Wrocław/Breslau, 2012.

H.-V. Ulmer (31.5.2017)

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Aus Breslau in die Welt

Am 9. und 10 Mai haben wir in Mainz und Wiesbaden einen eindrucksvollen Dokumentarfilm von Karin Kaper und Dirk Szuszies gezeigt:

„Wir sind die Juden aus Breslau“ dokumentiert in vierzehn Lebensläufen das breite Spektrum des Breslauer Judentums, die Herkunft der Zeitzeugen aus unterschiedlichen Milieus, aber auch ihre Wege nach dem Krieg, vom sozialistischen Zionisten über den Wissenschaftler Fritz Stern zum Rückkehrer nach Deutschland.

Am Anfang des Films steht die Recherche- und Begegnungsreise zweier Jugendgruppen aus Deutschland und Polen ins heutige Wrocław. Dort treffen sie unter anderem in der renovierten Synagoge „Zum Weißen Storch“ auf die Zeitzeugen, die von ihren Erfahrungen berichten.

Ihr Schicksal steht in der Folge im Mittelpunkt. Die Verfolgung und das Überleben, die Auswanderung und Flucht, die diese vierzehn Breslauerinnen und Breslauer in den meisten Fällen in die USA oder nach Israel führt. Dort sind weitere Interviews und Aufnahmen entstanden, die das oft harte und spannende Leben nach dem Krieg illustrieren.

Am Ende des Films stehen aktuelle Eindrücke des Filmteams aus dem heutigen Breslau, die ängstlich und nachdenklich machen: der erstarkte Nationalismus und Antisemitismus in der Stadt, der sich in gespenstischen Aufzügen voller Hass und Gewalt manifestiert und gegen den der kosmopolitische Stadtpräsident ankämpft.

Filmgespräch

Jan Kusber von der Johannes Gutenberg-Universität im anschließenden Gespräch mit Dirk Szuszies.

Die Filmabende fanden in Zusammenarbeit mit dem Filmfestival GoEast, dem Deutschen Polen-Institut in Darmstadt und weiteren Partnern statt.

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Bericht über den Festakt am 17. Juni 2016 zum 25. Jubiläum des deutsch-polnischen Freundschaftsvertrags in der Mainzer Staatskanzlei

Zum 25. Jubiläum des Freundschaftsvertrags hatte die Landesregierung Rheinland-Pfalz ein deutsch-polnisches Freundschaftsfest organisiert. Dieses war verbunden mit einem vorangehenden Festakt in der Mainzer Staatskanzlei, zu dem die Ministerpräsidentin Dreyer eingeladen hatte und mit dem auch an die 20 Jahre bestehende Partnerschaft des Landes Rheinland-Pfalz mit der Wojewodschaft Oppeln gewürdigt werden sollte.

Der Festakt begann mit einem beschwingten Musikstück, vorgetragen von einem kleinen Saxophonorchester der Chopin-Musikschule Oppeln.

Die Ministerpräsidentin begrüßte zunächst zahlreiche Ehrengäste und lobte besonders die guten Kontakte zur Wojewodschaft Oppeln. Sie würdigte das deutsch-polnische Jugendwerk und erwähnte ausdrücklich den trinationalen Europa-Masterstudiengang in den Universitätsstädten Oppeln, Dijon und Mainz. Sie schloss mit dem Hinweis, dass es doch keinen schöneren Vorabend für das Freundschaftsfest geben könne als das versöhnliche 0:0-Ergebnis des EM Fußballspiels.

Anschließend trug der Generalkonsul der Republik Polen (Jan Sobzcak) in polnischer Sprache (mit Simultanübersetzung) sein Grußwort vor. Er bezeichnete den Vertrag als gelungen und wies auf die Weitsicht polnischer Bischöfe hin, die bereits mitten im Kalten Krieg mit einem Brief „Bitte um Vergebung“ vom 18. November 1965 an die deutsche Bischofskonferenz den ersten Schritt zu einer Annäherung wagten. Erst nach dem Umbruch in Polen konnte dann die deutsche Minderheit auch am St. Annaberg Messen und Wallfahrten in deutscher Sprache feiern.

Der Marschall der Wojewodschaft Oppeln (Andrzej Buła) würdigte die besonderen, guten Beziehungen zwischen seiner Wojewodschaft und Rheinland-Pfalz (ebenfalls mit Simul­tanübersetzung). Schon in den 70er Jahren hätten diese begonnen; bis zur Unterzeichnung des Freundschaftsvertrags habe man den Dialog gepflegt und ausgebaut. Dabei habe man gelernt, auch über schwierige Probleme zu reden.

Diesen Grußworten schloss sich ein Podiumsgespräch mit Zeitzeugen an, zweisprachig moderiert von Thomas Kycia (geboren 1974 in Gleiwitz, seit 1988 in Deutschland, u.a. freier Mitarbeiter des Senders rbb). Seine Einführung begann mit aktuellen Ergebnissen einer Umfrage zu gegenseitigen, sehr unterschiedlichen Vorstellungen von Polen und Deutschen übereinander. Heute könne man ungezwungen über diese Stereotypen reden und schmunzeln. Es folgten historische Bezüge mit Filmszenen von Andrzej Klamt.

Noch mit dem letzten kommunistischen Ministerpräsidenten Rakowski ergab sich im Januar 1988 durch Gespräche in Bonn zusammen mit dem Bundekanzler Kohl ein Neuanfang der Beziehungen. Dabei spielte auch die Zusage Gorbatschows eine Rolle, dass sich die Sowjetunion bei dem im Warschauer Pakt vorhersehbaren Transformationsprozess nicht in die inneren Angelegenheiten der Mitgliedsstaaten einmischen werde; die Bonner Gespräche wurden somit ein Testfall für die zugesagte Nichteinmischung.

J. K. Bielecki, vom 12. Januar bis 5. Dezember 1991 zweiter, nichtkommunistischer Ministerpräsident der Republik Polen nach dem 2. Weltkrieg, begann seinen Einstieg in die Podiumsdiskussion mit einer Anekdote. Kohl wusste von seiner Fußballleidenschaft und schenkte ihm ein Paar Fußballschuhe, bis heute unvergessen. Sein überhaupt erster Besuch in Deutschland war durch die Einladung deutscher Gewerkschaften zustande gekommen. Bielecki erwähnte den Streik auf der Danziger Lenin-Werft im August 1980, an dem er als Berater der Streikenden in dem Gefühl von Aussichtslosigkeit beteiligt war. Er wies auf die denkwürdige Paketaktion mit Spenden zahlreicher westdeutscher Bürger vom Sommer 1980 bis 1982 hin. Angesichts einer massiven Wirtschafts- und Versorgungskrise wurden damals über 4 Millionen Spendenpakete von Deutschland nach Polen geschickt, was sich dort auf das Bild über die Deutschen positiv auswirkte. Er verwies auf weitere, wichtige Etappen der deutsch-polnischen Annährung: Der Versöhnungsgottesdienst in Kreisau am 12. November 1989 zusammen mit Helmut Kohl und den deutsch-polnischen Grenzvertrag vom 14. November 1990. So konnten schließlich deutsch-polnische Verhandlungen auf gleichem Niveau mit dem deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag am 17. Juni 1991 (kurz auch Freundschaftsvertrag genannt) erfolgreich abgeschlossen werden.

Dr. A. Rödder, Professor für neueste Geschichte an der Johannes Gutenberg-Universität, hob die Wichtigkeit des Freundschaftsvertrags aus historischer Sicht hervor. Dann griff er die Bemerkung von J. Bielicki auf, man hätte den Streik auf der Danziger Lenin-Werft mit dem Gefühl von Aussichtslosigkeit durchgeführt. Er zählte als typisch für Polen weitere historische Beispiele dafür auf, nicht nur den Warschauer Aufstand im Spätsommer 1944, als die Sowjetarmee am anderen Weichselufer abwartete, bis der Aufstand von deutschen Truppen niedergeschlagen war. Diese Einstellung der Polen sei historisch als Tradition der Unbeugsamkeit auch in aussichtsloser Position bemerkenswert.

Prof. Dr. h.c. H. Teltschik ging als damaliger Sonderbeauftragter des Bundeskanzlers Kohl für die Verhandlungen mit Polen auf hochinteressante Details im Vorfeld der Verhandlungen zum Freundschaftsvertrag und die Verhandlungen selbst ein. Am 14. November 1990 wurde der deutsch-polnische Grenzvertrag geschlossen, am 29. August 1991 in Weimar die Gemeinsame Erklärung der Außenminister von Deutschland, Frankreich und Polen zur Zukunft Europas vereinbart (Weimarer Dreieck). Dazwischen lag der Freundschaftsvertrag vom 17. Juni 1991. Kanzler Kohl und Außenmister Genscher lag daran, langfristig zu Polen ein ähnlich gutes Nachbarschaftsverhältnis zu entwickeln, wie es nach dem 2. Weltkrieg zu Frankreich aufgebaut wurde. Als Polen nach dem Umbruch erstmals eine dortige deutsche Minderheit anerkannt hatte, war ein weiterer Schritt der Annäherung getan.

Bei den Vorbesprechungen wurde Bundekanzler Kohl und dem polnischen Ministerpräsidenten Bielecki deutlich, dass es ratsam sei, die Vertragsverhandlungen nicht auf Außenminister-Ebene zu führen, weil dann zu viele Personen beteiligt würden und das Risiko bestünde, dass zu früh Informationen nach außen dringen würden. Beide einigten sich darauf, nur über einen jeweiligen Bevollmächtigten zu verhandeln und Kohl habe gesagt: Meiner sitzt gerade neben mir: H. Teltschik. Es ging um so heikle Fragen wie den „Jumbo-Kredit“, wobei angesichts leerer Devisenkassen Zahlungsverpflichtungen der Republik Polen (570 Millionen Mark aus dem Jumbo-Kredit) in einen Złoty-Stiftungsfonds umgewandelt wurden, aus dem u.a. wesentliche Mittel in das deutsch-polnische Jugendwerk flossen. Zu klären war auch der Umgang mit der deutschen Minderheit. Für den Vertrag waren zu berücksichtigen die gemeinsame europäische Zukunft, die zukünftigen Beziehungen zu Russland, der Umgang mit kulturellen Fragen sowie kulturellen Unterschieden („erkennen und darüber reden, offene Debatten führen“) und die Frage: Wo wollen wir hin?

Der Vertrag wurde für 10 Jahre geschlossen und bisher dreimal für je fünf Jahre verlängert. Um solche Verträge am Leben zu halten, müssen sie auch gelesen werden, vor allem von Nachfolge-Regierungen, da bei diesen immer wieder der Eindruck entsteht, sie würden von vorne anfangen. Und die Zukunft? Da war zu hören: Für Europas Zukunft gibt aus vielerlei Gründen Anlass zur Sorge.

Als dunkle Wolken aufzogen, beendete der Moderator die Diskussionsrunde, u.a. mit Hinweis auf das draußen vorbereiteten Bürgerfest. Wohl auch deshalb kamen dann keine Fragen aus dem Publikum.

Die Schlussrunde wurde von der Ministerpräsidentin Dreyer mit Dank an die Referenten und Diskutanten sowie der Hoffnung auf ein weiteres Gedeihen der Zusammenarbeit zwischen Bürgern aus Polen und Rheinland-Pfalz eingeleitet. Der ehemalige Ministerpräsident Bielecki bedankte sich für die Einladung bei der Gastgeberin mit Handschlag. Dem Berichterstatter fiel auf: ohne Handkuss – der noch vor 25 Jahren in Polen auch unter Jugendlichen weit verbreitet war, aber nun wohl der Globalisierung zum Opfer gefallen ist.

Beim Verlassen der Staatskanzlei konnte der Berichterstatter Herrn Teltschik die Frage stellen, warum denn der Versöhnungsgottesdienst, zu dem der Erzbischof von Oppeln, (Alfons Nossol) auf den Annaberg eingeladen hatte, nach Kreisau verlegt worden sei. Es hatte dazu damals weitverbreitete Kritik am Bundeskanzler in der Deutschen Presse gegeben, obgleich es ja um eine Einladung an ihn gegangen war. Antwort: Leider nahmen die Vorbehalte in Polen zum Ort des geplanten Versöhnungsgottesdienstes derart zu, dass es zu einem Rückzieher gekommen sei. Die Bundesregierung hätte dies zurückgehalten, um Polen nicht zu brüskieren; lieber wäre gewesen, der Plan Annaberg wäre nicht einseitig aufgekündigt worden. Schließlich habe man sich auf Kreisau geeinigt.

Freundschaftsfest

Der Stand des Mainzer Polonicums beim Freundschaftsfest. Bildquelle: Mainzer Polonicum

Zum Bürgerfest

Im Innenhof der Staatskanzlei waren in zwei Reihen viele Stände aufgebaut, mit Kulinarik- und Wein-Angeboten sowie Informationsständen über Polen, speziell Oppeln und Rheinland-Pfalz. Ein Stand kredenzte original Żywiec-Bier, ein binationaler Stand aus Nieder-Olm informierte über die Partnerstadt Głuchołazy, dort engagierten sich die Eheleute Bohlender (Mitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Mainz-Wiesbaden) mit aus der schlesischen Partnerstadt angereisten Gästen für die Besucher. Ein weiterer Stand des Mainzer Polonicums (Johannes Gutenberg-Universität) wurde von Frau Mgr. Derecka-Weber (ebenfalls Mitglied der DPG Mainz-Wiesbaden) und zahlreichen, fröhlichen Studierenden betreut.
Am Ende der beiden Standreihen war eine Bühne für Ansprachen und musikalische Darbietungen (u.a. von polnischen Musikgruppen und Sängerinnen) aufgebaut.
Bis etwa 16:45 herrschte reger Besucherbetrieb. An zahlreichen vollbesetzten Tischen sah man Teilnehmer, die sich an den kulinarischen Köstlichkeiten und Getränken erfreuten. Als dann ein Platzregen losbrach, flüchteten sich viele Besucher unter das Zeltdach der Stände oder in die Staatskanzlei, um anschließend draußen weiter zu feiern.

Insgesamt mit den Ehrengästen beim Festakt und den Teilnehmern am anschließenden Bürgerfest ein wohltuendes Symbol der guten nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Rheinland-Pfalz und unserem östlichen Nachbarland, speziell den Partnern aus Schlesien. Zu dieser von der Landesregierung vorzüglich geplanten und durchgeführten Veranstaltung war in der Mainzer Allgemeinen Zeitung keine einzige Zeile zu finden.

H.-V. Ulmer

Mitglieder beim Freundschaftsfest

Der Autor des Berichts, Hans-Volkhart Ulmer, zusammen mit Iwona Derecka-Weber, zwei Mitglieder der Deutsch-Polnischen Gesellschaft beim Freundschaftsfest in Mainz. Bildquelle: Mainzer Polonicum

 

Links:

Presseerklärung der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz

Schriftwechsel von H.-V. Ulmer mit dem Chefredakteur der Mainzer Allgemeinen Zeitung

 

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Jahresausflug nach Rüdesheim

Diese Galerie enthält 10 Fotos.

Zu Besuch bei einem verdienten Mitglied und auf den Spuren eines vergangenen Ausflugs am Niederwalddenkmal oberhalb von Rüdesheim.

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Agnieszka Kowaluk: „Du bist so deutsch! Mein Leben in einem Land, das seine Tugenden nicht mag.“

Bericht von der Lesung und Diskussion mit der Autorin im Rahmen einer Veranstaltung des Studiums generale der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Deutsch-polnischen Gesellschaft Mainz-Wiesbaden am 6.6.2016 (Moderation Prof. Dr. Renata Makarska):

Die Veranstaltung begann mit einer originellen Befragung durch die Moderatorin, die der Autorin mehrere Stichworte mit Bezug zum Buch präsentierte – offensichtlich, ohne diese vorher abgesprochen zu haben. Ersichtlich wurde dies u.a., als es um das Stichwort Kreativität ging und die Autorin meinte, sie könne sich nicht daran erinnern, dass dieses Wort überhaupt in ihrem Buch vorkäme. Schon im Vorlauf zur Lesung erlebten so die 22 Zuhörer ein Feuerwerk facettenreicher Antworten. Der Berichterstatter zuckte zunächst zusammen, als zum Stichwort Heimat mit Heimaten im Plural geantwortet wurde. Bald wurde mit den Ausführungen der Autorin und in der späteren Diskussion deutlich, dass dies ja nicht nur für die Autorin, sondern auch für viele Zuhörer galt.

Nach etwa einer halben Stunde des originellen Frage-Antwort-Wortspiels trug dann die Autorin etliche Abschnitte aus ihrem Buch vor, ergänzt von der Moderatorin, die auch noch einige Lieblingspassagen zu Gehör bringen wollte, u. a. eine, in der das Schmunzeln auslösende Stichwort „Kreativität“ vorkam.

Nach einer weiteren halben Stunde schloss sich dann eine lebhafte, facettenreiche Diskussion an. Dabei ging es u. a. um Probleme der Übersetzer; im Umfeld von Polnisch und Deutsch ist diese Tätigkeit mit viel Idealismus verbunden und nur in Einzelfällen kann damit ein Lebensunterhalt verdient werden. Die Übersetzungstätigkeit spielt sich aber nicht im stillen Kämmerlein vor dem Bildschirm ab, vielmehr verfügt jeder Übersetzer über ein Netzwerk Gleichgesinnter, unter denen bei schwierigen Textstellen Rat eingeholt werden kann. Die Autorin hat mehrfach anspruchsvolle Literatur ins Polnische übersetzt; legte aber begründet dar, weshalb sie kein polnisches Buch ins Deutsche übersetzen würde – und ihr eigenes nicht in die polnische Sprache. Zum Thema Heimat führt sie aus: Bis zum Studium der Germanistik in Warschau gab es für sie nur polnische Wurzeln, ein DAAD-Stipendium erlaubte ihr dann zwei Tage nach der Wiedervereinigung einen Gastaufenthalt in Deutschland und nach mehreren Aufenthalten in diesem Land blieb sie schließlich hier. Zuerst Polin, und nun Münchnerin, ohne ihre polnischen Wurzeln zu verleugnen. Die Tochter sprach in den ersten Lebensjahren eher Polnisch (eben die Muttersprache), in der Gymnasialzeit fühlte sie sich dann wie die Mutter als Münchnerin. Wenn aber in der Schule Fragen zu Polen auftauchten, ergriff sie das Wort. Später – fern in San Francisco – schrieb sie der Mutter dann Briefe in polnischer Sprache.

In diesem Kurzbericht können nicht alle Themen des spannenden Abends wiedergegeben werden. Unter den Teilnehmern befanden sich viele „Grenzgänger“, die mit Wurzeln im heutigen Polen nun ihre Heimat in Deutschland gefunden haben und die sich von der Autorin sehr angesprochen fühlten. Etlichen Studierenden, z. T. aus dem Polonicum, wurde bewusst gemacht, wie im positiven Sinne spannend die deutsch-polnische Vergangenheit sein kann und welcher gemeinsame Weg mit dem östlichen Nachbarn noch zu bewältigen ist, bis der Umgang genauso ungezwungen wird wie mit dem westlichen Nachbarn Frankreich. Dabei spielen Spracherwerb und Sprachkenntnisse eine große Rolle, eine Chance für die zweite Generation der in Deutschland Lebenden mit polnischen Wurzeln.

Den Schlusspunkt setzte die Moderatorin mit dem Begriff erste Heimat, der dann die zweite in Deutschland bzw. München folgte.

Frau Derecka-Weber vom Mainzer Polonicum hatte mit der Einladung von Autorin und Moderatorin wieder ein sehr gutes Händchen bei dieser jährlichen Veranstaltung im Rahmen des Studium generale (Mainz) gezeigt.

H.-V. Ulmer, Mainz

Link zum Buch: Agnieszka Kowaluk: „Du bist so deutsch! Mein Leben in einem Land, das seine Tugenden nicht mag.“

Eine Kritik zum Buch: M. Lehmann-Pape: „Agnieszka Kowaluk – Du bist so deutsch. Humorvoller Blick auf sichtbare Dinge des Seins.“

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Mitgliederversammlung 2016

Auf der Mitgliederversammlung am 24. April 2016 im Mainzer Polonicum wurden die für dieses Jahr geplanten Veranstaltungen besprochen. Außerdem wurde der Vorstand neu gewählt. Wir freuen uns über Philipp Bittner als neuen Schriftführer und danken ganz herzlich Barbara Kowalski für ihre bisherige Arbeit in diesem Amt. Als Vorsitzender wurde Tomasz Horyd bestätigt, ebenso wie Prof. Dr. Hans-Volkhart Ulmer als Kassenwart.

Die Mitgliederversammlung mitsamt dem bilingualen Hund des Vorsitzenden bei der Arbeit.

Die Mitgliederversammlung mitsamt dem bilingualen Hund des Vorsitzenden bei der Arbeit.

Der neue Vorstand

Der neue Vorstand: Vorsitzender Tomasz Horyd (2. v.r., mit Hund), Schriftführer Philipp Bittner (3. v.r.), Kassenwart Hans-Volkhart Ulmer (4. v.r.), nebst Beisitzern und Helfern.

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Flucht und Vertreibung als gemeinsame Erfahrung im Europa des 20. Jahrhunderts

Wenn es um das Thema Flucht und Vertreibung geht, etwa im Schulunterricht, so liegt der Fokus in Deutschland zumeist auf der eigenen Geschichte. Dass die Vorgänge am Ende des Zweiten Weltkriegs im 20. Jahrhundert jedoch nicht singulär waren, erfuhren die Besucher durch den Vortrag des Stettiner Historikers Jan M. Piskorski am 25. September in der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung in Wiesbaden.

Anders als man es vielleicht erwartet hatte, ging es eben nicht darum, wer, wann, wenn aus welchem Gebiet und warum vertrieben hat, sondern vielmehr um die gemeinsamen Erfahrungen die die betroffenen Menschen dabei gemacht haben und um die Folgen, die sich aus den Bevölkerungsverschiebungen für die Gesellschaften ergaben. Mit zahlreichen eindrucksvollen Bildern illustrierte Jan M. Piskorski während seines Vortrags diese gemeinsamen Erfahrungen, die Menschen fast überall in Europa im 20. Jahrhundert machen mussten.

Jan M. Piskorski (rechts)

Jan M. Piskorski (rechts)

Bereits Achim Güssgen-Ackva von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung als einladender Hausherr spannte in seiner Begrüßung den Bogen bis in die Gegenwart, wo infolge von zahlreichen Kriegen und Konflikten in und um Europa immer neue Flüchtlinge nach Europa drängen und uns vor große Herausforderungen stellen.

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Peter Oliver Loew (links) im Gespräch mit Jan M. Piskorski

Dass die Integration von Fremden durchaus gelingen kann, wurde später im Gespräch im Peter Oliver Loew vom Deutschen Polen-Institut in Darmstadt deutlich. Er verwies auf die Einwanderung von Polen nach Deutschland während des Kaiserreichs, die sich zu allermeist bis heute bis auf den Namen vollständig assimiliert haben. Und so ging es in der Diskussion auch darum, wie Integrationsbarrieren abgebaut werden könnten. Jan Piskorski betonte, wie unheimlich reich Europa heute sei, warf aber dennoch den Gedanken ein, dass es möglicherweise nötig werden könnte, die Sozialsysteme abzubauen, um die Integration einer großen Zahl von Flüchtlingen zu ermöglichen. Wichtig sei vor allem, dass die Zuwanderer in Europa rasch Arbeit fänden und so einerseits von Zuwendungen unabhängig würden und andererseits von  ideologischer Radikalisierung und Segregation von der Mehrheitsgesellschaft abgehalten würden.

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Im Nachgespräch: Tomasz Horyd von der DPG (mitte) und Peter Oliver Loew vom DPI (rechts)

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Zeitzeuge aus Drohobycz

Geiger und Sänger Alfred Schreyer in der Galerie Pokusa

Geiger und Sänger Alfred Schreyer in der Galerie Pokusa

Am 4. März besuchte der Überlebende mehrerer nationalsozialistischer Arbeits- und Vernichtungslager, Alfred Schreyer, die Galerie Pokusa in Wiesbaden. Schreyer, der letzte überlebende Kunstschüler des lange in Vergessenheit geratenen Malers und Schriftstellers Kunstlehrers („Die Kunstläden“), der bis zum Überfall Polens Kunstlehrer am Lyzeum im heute ukrainischen Drohobycz als Kunstlehrer tätig war, berichtete über ein oft schwieriges Leben, die Freude an der Musik und die Greueltaten der SS.

Tomasz Horyd im Gespräch mit Alfred Schreyer (v.l.)

Tomasz Horyd im Gespräch mit Alfred Schreyer (v.l.)

Obwohl Schreyer, dem seine Fähigkeiten als Geiger und Sänger am Ende des Krieges das Leben retten sollten, die Ermordung seiner Familienmitglieder miterleben musste (Die Nationalsozialisten erschossen ohne daraus ein Geheimnis zu machen mehr als 10.000 Juden im nahegelegenen Forst),  Schreyer spürt keinen Hass auf die Deutschen. „Sonst würde ich wohl nicht mehr leben“, erklärte der Musiker. Trotzdem berichtete er von dem, was sich heutige Generationen kaum vorstellen können: „Aktionen“ der SS in Drohobycz und den besetzten polnischen Gebieten, willkürlichen Morden, davon, wie die jüdische Bevölkerung immer wieder zusammengetrieben und wie Vieh auf LKWs verladen wurden, die einige Stunden leer ins Dorf zurückkehrten.

Polskie Tango: Alfred Schreyer ist auch im hohen Alter ein virtuoser Sänger

Polskie Tango: Alfred Schreyer ist auch im hohen Alter ein virtuoser Sänger

Die Galeria Pokusa war bis auf den letzten Platz gefüllt, überfüllt sogar – Gäste der Veranstaltung, die später kamen, mussten mit einem Stehplatz vorlieb nehmen. Entschädigt wurden sie mit den konzentrierten und bewegenden Schilderungen Schreyers, der auch vom heutigen Leben in der nunmehr ukrainischen Stadt Drohobycz berichtete, die mit dem Ort seiner Jugend und Kindheit kaum noch etwas gemein hat. Auch Bruno Schulz, der von einem SS-Mann grundlos auf offener Straße hingerichtet wurde, sei in seiner Heimatstadt in Vergessenheit geraten.

Zum Abschied eines denkwürdigen und hochemotionalen Abends, der allen Teilnehmern sicher in Erinnerung bleiben wird, trug Alfred Schreyer zwei Lieder vor, darunter einen polnischen Tango.

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Neujahrsempfang der Deutsch-Polnischen Gesellschaft am 18. Januar 2013 mit einem Dia-Vortrag über eine Reise durch Südostpolen von Prof. H. Wall

Für den diesjährigen Neujahrsempfang in den Räumen der Galerie Pokusa gelang es, den Architekten Prof. H. Wall aus Mainz-Weisenau zu gewinnen. Er war mit seiner Frau privat „kreuz und quer“ durch Regionen Polens gefahren, die abseits des üblichen Tourismus lagen, um mit den Augen eines Architekten und erfahrenen Kulturreisenden Land und Leute kennen zu lernen. Mit zahlreichen Dias nahm er die etwa 35 Zuhörer auf seine Reise mit, wobei er zu fast allen Bildern kurze, aber sehr informative Erläuterungen über Geschichte und Architektur sowie Sitten und Gebräuche gab. Besonders beeindruckte, mit wie viel Liebe gerade in den touristisch kaum erschlossenen ostpolnischen Gebieten historische Gebäude gepflegt wurden und wieder im alten Glanz erstrahlen – Zeichen eines anderen Geschichtsverständnisses als in vielen Regionen Deutschland und Ausdruck einer besonderen Identitätsfindung. Mit lebhaftem Beifall wurde dem Referenten gedankt; sein Angebot zu einer Anschlussdiskussion fiel dann aber einer weiteren Attraktion des Neujahrsempfangs zum Opfer: Frau Ania Horyd, Mutter des 1. Vorsitzenden, hatte nach polnischem Originalrezept Piroggen und Mandarinen-Käsekuchen gebacken, deren Duft schon durch die Räume zog. Der Referent und seine Frau blieben aber noch lange bei uns, wobei sich noch viele Gespräche mit ihm ergaben.

Den Berichterstatter erreichten nachträglich zwei Briefe, aus denen abschließend zitiert werden soll: „Die fachkundige Art, auf welche Professor Wall uns die Schätze dieser Region vorgestellt hat, mußte jeden begeistern. Als ich noch in Polen lebte, führte ich deutsche Gruppen auf den Spuren der Holzarchitektur in Kleinpolen und staunte jedes Mal, wie gut sie vorbereitet kamen“, ferner: „Das war ein wirklich schöner Neujahrsempfang. Er hat großen Spaß gemacht und es ist, glaube ich, auch für den Zusammenhalt der dpg ganz wichtig, sich ab und an einfach mal so zu treffen und der Diavortrag war sehr interessant“.

H.-V. Ulmer

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„Die Wunde des Erinnerns lässt sich niemals schließen“

Am 24. April las der bekannte polnische Reporter Włodzimierz Nowak am Antiquariat am Ballplatz. Eingeladen hatten Antiquar Thomas Schröder und die DPG Mainz-Wiesbaden.

Gut lachen: Tomasz Horyd vor dem Podium

Rund 40 Gäste lauschten in gemütlicher Atmosphäre zwischen den zahllosen Buchdeckeln Nowaks Stimme. Auf Deutsch und auf Polnisch ging es munter hin und her, der profilierte Reporter Nowak trug Reportagen aus seinen letzten beiden Bänden vor: „Serce narodu, koło przystanku“ und „Obwód głowy“. Letzterer Titel, der für den NIKE-Preis nominiert war, liegt auch in deutscher Sprache vor („Die Nacht von Wildenhagen“,Eichborn) – und ist unbedingt lesenswert. Wie Übersetzerin Joanna Manc, die ebenfalls auf dem Podium saß, erklärte, ist „Das Herz der Nation neben der Bushaltestelle“ bislang aber ein Übersetzungsprojekt geblieben. Durch die Insolvenz des Eichborn Verlags und dessen Übernahme unter das Dach des Bastei Lübbe im letzten Jahr, habe der Titel nicht mehr ins Profil gepasst. Für den übersetzten Reportageband habe sich bislang kein anderer Lizenznehmer gefunden.

Signierstunde

Übersetzerin Joanna Manc erklärte auf Nachfrage gerne, dass sie über die korrekte Setzung eines Kommas schon einmal mit Kollegen eine Stunde lang diskutieren könne – das Handwerk des Übersetzens, kein einfaches!

An einem Büchertisch hielt Antiquar Thomas Schröder in seinem gut sortierten Antiquariat Nowaks Reportagen und viele weitere Titel zur deutsch-polnischen Geschichte parat.

Guter Gastgeber: Thomas Schröder, Antiquariat am Ballplatz

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